Historische Feuerwehr
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Frei nach der Devise, dass die Elemente Feuer und Wasser in einer besonderen Verbindung stehen, sorgten mehrere Regenschauer immer wieder für kurze Unterbrechungen: Redner, Gäste und der Spielmannszug Einhausen flüchteten dann vorübergehend in die beiden Museumsgebäude oder drängten sich unter Sonnenschirmen. Die Protagonisten – die Gernsheimer Feuerwehr – hätte wahrlich mehr Besucher verdient, sorgt sie nicht nur seit 1860 für den Schutz der Bürger vor Feuer und mehr, sondern bot auch am Samstag einen interessanten Querschnitt durch die Entwicklung der Brandbekämpfung. Gernsheims Wehr ist die älteste Freiwillige Feuerwehr des Kreises Groß-Gerau, im Pferdestall des ehemaligen Schlosses fand sie vor fast 150 Jahren ihr Domizil, das sie bis zur Errichtung der Stützpunktfeuerwache dort behielt. |
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In diesem alten Gerätehaus hatte man darüber hinaus jahrzehntelang die Übungsstunden des Spielmannszuges abgehalten und an Fastnacht die Bevölkerung zu Erbsensuppe und närrischem Biwak geladen. Mit dem Umzug in die Stützpunktfeuerwache wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt, bis 2003, unterstützt von der Stadt Gernsheim, mit der Renovierung und dem Ausbau der historischen Feuerwehr begonnen wurde. Liebevoll wurde hier eine Sammlung zusammengestellt und gelungen präsentiert. Maßgeblichen Verdienst hieran hätten vor allem zwei Gernsheimer Feuerwehrmänner mit Leib und Seele, betonten Bürgermeister Rudolf Müller und Stadtbrandinspektor und Wehrführer Klaus Hahn und zollten Ludwig Medicus und Karl-Heinz Kaiser Dank, Lob und Anerkennung. |
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Ehrenstadtbrandinspektor Ludwig Medicus hat im Laufe seines Lebens mit seiner persönlichen Sammelleidenschaft dafür gesorgt, dass 150 Jahre Feuerwehrentwicklung in Gernsheim praktisch lückenlos dokumentiert sind und er hat mit viel Einsatz dafür gekämpft, dass bei allen „Entrümpelungsaktionen“ der letzten Jahrzehnte doch immer wieder das historische Material erhalten blieb. In über neunzigjähriger Tradition bekleidete seine Familie das Amt des Wehrführers und Stadtbrandinspektors, er selbst war es 50 Jahre lang.
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Auch Karl-Heinz Kaiser gehört gewissermaßen einer Feuerwehrdynastie an. Vater, Großvater, Bruder und er standen und stehen gleichermaßen im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr. Kaiser hat die Gestaltung und Präsentation der „Historischen Feuerwehr“ mit erhaltenen und von ihm zusammen getragenen Ausstellungsstücken federführend übernommen, tatkräftig unterstützt wurde er dabei unter anderem von Clark Aten und Helge Bräuning vom Feuerwehrverein der Schöfferstadt. |
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Am Samstag wurde nun die „Historische Feuerwehr“ feierlich eröffnet. Zu sehen ist unter anderem der Opel Laubfrosch – ein offener Viersitzer von 1934 – den Gernsheim als erste Feuerwehr im Kreis ihr eigen nennen durfte, tragbare Spritzen aus dem Jahr 1881, bestens erhaltene Löscheimer aus Leder mit der Jahreszahl 1879, die 16 Meter lange Balanceleiter von 1906. Helme, Diplome, Uniformen, Armbinden, Ehrenzeichen und vieles mehr ergänzen die historische Präsentation. Bevölkert wurde das bunte Feuerwehrarrangement am Samstag noch von Feuerwehrmännern in historischen Uniformen und Feuerwehroldtimern aus der näheren und weiteren Umgebung, etwa einem Daimler mit Kraftspritze KS 15 (1500 Liter Lieferleistung pro Minute) von 1932 oder einem Magirus Löschgruppenfahrzeug von 1939.
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Auch modernstes Feuerwehreinsatzgerät war zu bestaunen, wie beispielsweise der Gefahrgutabrollbehälter. Außer der Gernsheimer Wehr wirkten hier die Wehren aus Bensheim, Biebesheim, Graben-Neudorf, Neu-Isenburg, Heppenheim und Lorsch mit. Dem praktischen Anschauungsmaterial stellte Stadtbrandinspektor Klaus Hahn einen theoretischen Spaziergang durch die Entwicklung der Feuerwehrarbeit von der Antike bis zur Neuzeit gegenüber. Habe das Augenmerk zunächst vorrangig auf dem Schutz von Hab und Gut gelegen, sei es heute höchste Priorität Menschenleben zu schützen und zu retten. Die erste dokumentierte Feuerwehrgründung erfolgte 300 vor Christus in Rom, Kaiser Augustus verfügte bereits über eine 8000 Mann starke Wehr. Zum Einsatz kamen beispielsweise Eimer, Wassersäcke und essiggetränkte Löschdecken für die Strohdächer. Späterhin gab es einen Einbruch in der Entwicklung, vorrangig leisteten die Menschen Selbsthilfe, viel altes Löschwissen ging verloren. |
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Zum Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Neuordnung im Feuerlöschwesen, weitere Qualifikationen entwickelten sich. Heute setzen weltweit unzählige Feuerwehrmänner und -frauen ihre Zeit, Gesundheit und Leben für den Schutz der Bevölkerung vor Feuer, Chemie- und Verkehrsunfällen und mehr ein. „Das sollte uns innerhalb der Bevölkerung viel mehr bewusst sein und geschätzt werden“, drückte Bürgermeister Müller es aus. bwn 10.7.2006
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